Gerüst im Garten: Hecke schneiden, Obstbaum und Carport sicher erreichen
Gerüste denkt man sich an Hauswänden. Dabei gibt es im Garten mindestens ebenso viele Arbeiten in der Höhe: die drei Meter hohe Thujahecke an der Grundstücksgrenze, den alten Apfelbaum, der dringend ausgelichtet werden müsste, die Dachrinne am Carport, das Dach des Gartenhauses. Meist wird dafür eine Leiter genommen, und genau dort beginnt das Problem. Leitern stehen im Garten auf weichem, unebenem Boden, und wer eine Heckenschere führt, hat keine Hand mehr zum Festhalten. Dieser Beitrag zeigt, wann ein kleines Gerüst die bessere Wahl ist und wie es auf Rasen, Beeten und Gefälle sicher steht.
Auf einen Blick
- Für Arbeiten, bei denen Sie beide Hände brauchen oder länger in der Höhe stehen, ist eine Arbeitsbühne mit Seitenschutz sicherer als eine Leiter.
- Rasen, Kies und frisch umgegrabene Beete tragen Lenkrollen nicht. Das Gerüst braucht dort lastverteilende Unterlagen und wird nicht verfahren.
- Gefälle gleichen Sie über die Spindeln aus, nicht mit Steinen oder Holzklötzen.
- Für starke Rückschnitte an Hecken gelten naturschutzrechtliche Schonzeiten. Schonende Form- und Pflegeschnitte sind ganzjährig möglich.
- Dächer von Carports und Gartenhäusern sind oft nicht begehbar. Gearbeitet wird von einer Bühne daneben.
Warum die Leiter im Garten so oft zum Risiko wird
Eine Leiter ist für kurze Tätigkeiten gedacht, bei denen Sie sich mit einer Hand festhalten können. Im Garten sind beide Voraussetzungen selten erfüllt. Beim Heckenschnitt halten Sie die Schere mit zwei Händen und bewegen sie seitlich hin und her. Beim Baumschnitt lehnen Sie sich in die Krone, um an den nächsten Ast zu kommen. Und der Boden unter den Holmen gibt nach: Rasen ist nach Regen weich, unter Rindenmulch liegt lockere Erde, auf einer Böschung steht die Leiter schief. Ein Holm sinkt ein paar Zentimeter ein, die Leiter kippt seitlich weg, und der Sturz aus zwei oder drei Metern endet auf einem Gartenweg oder einer Beeteinfassung.
Ein Gerüst mit Arbeitsbühne bietet dagegen einen Standplatz, auf dem Sie sich frei bewegen können, mit Geländer, Zwischengeländer und Bordbrett ringsum. Die Bühne bleibt auf der eingestellten Höhe, auch wenn Sie sich drehen oder Kraft aufwenden. Das macht die Arbeit nicht nur sicherer, sondern oft auch schneller und sauberer.
Welche Lösung für welche Gartenarbeit?
| Arbeit | typische Höhe | geeignete Lösung |
|---|---|---|
| Hecke bis etwa 2 m | Arbeitshöhe bis 2 m | Stufen-Podest oder niedriges Podestgerüst mit Geländer |
| Hecke 2–4 m | Bühne auf 1–2 m | kleines Rollgerüst, auf Unterlagen gestellt |
| hohe Grenzhecke oder Formschnitt an der Oberseite | Bühne auf 2–3 m | Rollgerüst mit Auslegern, abschnittsweise umgesetzt |
| Obstbaum auslichten | Bühne auf 1–3 m | Rollgerüst neben der Krone, bei Hanglage mit Spindelausgleich |
| Dachrinne am Carport | Bühne knapp unter der Rinne | Rollgerüst auf der befestigten Einfahrt |
| Dach des Gartenhauses neu decken | Bühne an der Traufe | Rollgerüst oder kleines Gerüst an der Traufseite, Dachfläche nicht betreten, wenn sie nicht trägt |
Für die meisten dieser Aufgaben ist ein leichtes Rollgerüst aus Aluminium die praktische Lösung. Es lässt sich von zwei Personen aufbauen, im Schuppen oder in der Garage lagern und für viele Arbeiten am Haus wiederverwenden. Wie sich Fahrgerüst und Fassadengerüst grundsätzlich unterscheiden, erklärt der Beitrag Fassadengerüst oder Fahrgerüst.
Das Rollgerüst auf Rasen und weichem Boden
Lenkrollen sind für feste, ebene Flächen gemacht: Pflaster, Beton, Hallenböden. Auf Rasen drückt das Gewicht von Turm, Person und Werkzeug die Rollen ein, und das Gerüst steht schief. Das ist nicht nur unbequem, sondern gefährlich, denn ein frei stehender Turm hält seine Standsicherheit nur, wenn er lotrecht steht. Für den Garten gelten deshalb drei Grundsätze:
- Lastverteilung: Auf weichem Boden stellen Sie das Gerüst auf lastverteilende Unterlagen, etwa ausreichend große, tragfähige Holzbohlen oder Platten. Was sich als Unterlage eignet und was nicht, beschreibt der Wiki-Eintrag Lastverteilende Unterlage. Ziegelsteine, Hohlblocksteine oder gestapelte Holzklötze gehören nicht unter ein Gerüst.
- Nicht auf weichem Boden verfahren: Ein Rollgerüst, das auf Rasen bewegt wird, kann einsinken, verkanten und kippen. Wenn Sie die Hecke abschnittsweise bearbeiten, setzen Sie den Turm nur dort um, wo der Boden fest und eben ist, oder bauen ihn an der nächsten Stelle neu auf. Wie und auf welchem Boden der Turm verfahren werden darf, steht in der Anleitung des Herstellers.
- Bremsen und Ausleger: Auch auf Unterlagen bleiben alle Rollen gebremst, und die Ausleger stehen so, wie die Anleitung es vorschreibt. Ihre Füße müssen ebenfalls auf festem Grund stehen.
Rollen mit Spindel und Bremse sind im Wiki-Eintrag Lenkrolle genauer beschrieben.
Gefälle und Hanglage ausgleichen
Viele Gärten sind nicht eben. Die Hecke steht an einer Böschung, der Obstbaum am Hang, die Einfahrt zum Carport fällt zur Straße hin ab. Kleine Höhenunterschiede gleichen Sie über die Spindeln an den Rollen oder Fußplatten aus. Prüfen Sie mit einer Wasserwaage auf der ersten Bühne in beiden Richtungen, ob der Turm lotrecht steht. Die Anleitung legt fest, wie weit die Spindeln herausgedreht werden dürfen. Reicht dieser Bereich nicht aus, ist der Standort für ein Rollgerüst zu steil.
Beispiel: Eine Hecke steht auf einer Böschung mit 10 Prozent Gefälle quer zum Turm. Bei einem Turm mit 1,35 m Breite beträgt der Höhenunterschied zwischen den beiden Rollenpaaren rund 13,5 cm. Das lässt sich bei vielen Systemen über die Spindeln ausgleichen. Bei einer Böschung mit 30 Prozent Gefälle wären es rund 40 cm, und das übersteigt den Verstellbereich vieler Spindeln. Dort braucht es eine andere Lösung, etwa eine waagerecht hergestellte, tragfähige Standfläche oder einen Fachbetrieb.
Gleichen Sie Gefälle nie mit untergelegten Steinen, Brettstapeln oder Holzkeilen aus. Diese Unterlagen verrutschen, brechen oder sinken ungleichmäßig ein.
Hecke schneiden vom Gerüst aus
Beim Heckenschnitt kommt es auf den richtigen Abstand an. Die Bühne sollte so hoch liegen, dass Sie die Oberkante der Hecke etwa auf Brust- bis Schulterhöhe vor sich haben. Wer über Kopf schneiden muss, ermüdet schnell und verliert die Kontrolle über die Schere. Stellen Sie den Turm parallel zur Hecke und so nah, dass Sie die Seitenfläche ohne Hinauslehnen erreichen. Über das Geländer hinaus gelehnt wird nicht, auch nicht „nur für die letzte Ecke“.
- Werkzeug: Elektrische Heckenscheren mit Kabel brauchen eine Kabelführung, die nicht über die Bühne oder durch das Geländer läuft. Akkugeräte sind auf dem Gerüst praktischer.
- Schnittgut: Was auf der Bühne landet, wird regelmäßig abgekehrt, denn nasse Blätter und Zweige machen den Belag rutschig.
- Nachbarseite: Für den Schnitt der Heckenseite zum Nachbarn braucht es dessen Einverständnis, wenn das Gerüst auf seinem Grundstück stehen soll.
- Breite Hecken: Bei sehr breiten Hecken erreicht man die Mitte der Oberseite nicht von einer Seite aus. Dann wird von beiden Seiten geschnitten, nicht weit über das Geländer gegriffen.
Beachten Sie die naturschutzrechtlichen Schonzeiten: Nach dem Bundesnaturschutzgesetz dürfen Hecken in der Zeit vom 1. März bis 30. September nicht stark zurückgeschnitten oder auf den Stock gesetzt werden. Schonende Form- und Pflegeschnitte sind auch in dieser Zeit erlaubt. Brütende Vögel dürfen in keinem Fall gestört werden. Sehen Sie sich die Hecke vor dem Schnitt deshalb genau an. Ob es in Ihrer Gemeinde weitere Regeln gibt, etwa eine Baumschutzsatzung, erfahren Sie bei der Gemeinde oder der unteren Naturschutzbehörde.
Obstbaum und Baumschnitt
Beim Obstbaumschnitt arbeitet man selten an einer glatten Fläche, sondern in einer Krone, die in alle Richtungen ausgreift. Ein Rollgerüst wird deshalb neben die Krone gestellt, nicht in sie hinein. Achten Sie auf Wurzeln, die den Boden anheben, und auf Senken unter dem Rasen. Stellen Sie den Turm so, dass Sie die Äste, die Sie schneiden, vor sich haben und nicht über das Geländer hinweg in die Krone greifen müssen. Wenn die Krone von einem Standort aus nicht erreichbar ist, setzen Sie den Turm um.
- Größere Äste nicht vom Gerüst aus abreißen oder herunterziehen. Ein Ast, der sich beim Fallen verhakt, kann die Bühne treffen oder den Turm seitlich belasten.
- Schwere Äste in Stücken absägen, von außen nach innen, damit nichts unkontrolliert fällt.
- Den Bereich unter dem Baum frei halten. Niemand steht unter der Arbeitsstelle.
- Motorsägen auf dem Gerüst sind Sache von geschulten Personen mit Schutzausrüstung. Für den normalen Obstbaumschnitt genügen Astschere und Handsäge.
Wichtig ist auch der Blick nach oben: Stehen Bäume in der Nähe einer Freileitung, gilt ein deutlicher Sicherheitsabstand. Ein Aluminiumgerüst und lange Werkzeuge leiten Strom. Bei Bäumen nahe einer Leitung wenden Sie sich an den Netzbetreiber, bevor Sie dort arbeiten.
Carport, Gartenhaus und Pergola
Viele Carport- und Gartenhausdächer bestehen aus Stegplatten, dünnem Trapezblech oder schwachen Sparren. Sie sind nicht dafür gemacht, betreten zu werden. Wer auf ein solches Dach steigt, riskiert einen Durchbruch und einen Sturz durch das Dach. Arbeiten an Rinne, Dachrand und Eindeckung werden deshalb von einer Bühne neben dem Dach ausgeführt. Ein Rollgerüst auf der gepflasterten Einfahrt ist dafür gut geeignet: Die Bühne liegt etwa 1 m unter der Dachkante, Sie arbeiten in bequemer Höhe und erreichen die ersten Reihen der Eindeckung.
Ein Fassadengerüst lässt sich an einem Carport meist nicht sinnvoll verankern, weil die Konstruktion die Ankerkräfte nicht aufnehmen kann. Ein frei stehender Turm mit Auslegern ist hier fast immer die bessere Wahl. Muss die Dachfläche selbst bearbeitet werden, etwa bei einer neuen Eindeckung, sind lastverteilende Laufbohlen oder ein Fachbetrieb gefragt.
Ein Wort zur Pergola: Holz- oder Metallpergolen tragen meist nur ihr Eigengewicht, Bewuchs und etwas Schnee. Sie eignen sich weder als Auflage für Bohlen noch als Befestigungspunkt für ein Gerüst. Wer Rankpflanzen auf einer Pergola schneidet oder die Konstruktion streicht, stellt den Turm daneben oder darunter, sofern die lichte Höhe reicht, und arbeitet von der Bühne aus. Achten Sie dabei auf Querbalken in Kopfhöhe, an denen man sich beim Aufrichten stoßen kann.
So bauen Sie ein Rollgerüst im Garten auf
- Standort vorbereiten: Fläche ablaufen, Gartenschlauch, Spielzeug und Gartengeräte wegräumen, weiche Stellen erkennen.
- Unterlagen auslegen: Auf Rasen oder Kies ausreichend große, tragfähige Unterlagen unter jede Rolle legen.
- Grundrahmen aufstellen: Rollen montieren, bremsen und den ersten Rahmen nach Anleitung zusammensetzen.
- Ausrichten: Über die Spindeln lotrecht stellen und mit der Wasserwaage in beiden Richtungen prüfen.
- Ausleger und Ballast: Ausleger in der vorgeschriebenen Stellung anbringen, Ballast nach Anleitung auflegen.
- Turm aufbauen: Lage für Lage nach Anleitung, mit Diagonalen und Zwischenbühnen, Seitenschutz vor dem Betreten jeder Arbeitsbühne.
- Kontrolle: Bremsen, Ausleger, Bühnen und Geländer noch einmal prüfen, bevor die Arbeit beginnt.
Checkliste und typische Fehler
- Rollgerüst direkt auf Rasen gestellt, ohne Unterlagen
- Turm mit Person auf der Bühne verschoben, um ein Stück weiterzukommen
- Gefälle mit Steinen oder Holzklötzen ausgeglichen
- Ausleger weggelassen, weil die Hecke zu nah an der Wand steht
- Leiter oder Eimer auf die Bühne gestellt, um höher zu kommen
- Heckenschere mit Kabel quer über die Bühne geführt
- Bei Wind gearbeitet, obwohl die Anleitung eine Windgrenze nennt
- Carportdach betreten, obwohl es nicht dafür ausgelegt ist
- Starker Rückschnitt in der Schonzeit oder trotz Vogelnest
Unsere Empfehlung
Wenn Sie im Garten regelmäßig Hecken, Bäume oder Dachrinnen in mehr als zwei Metern Höhe bearbeiten, lohnt sich ein kleines Rollgerüst aus Aluminium, das Sie auch am Haus einsetzen können. Halten Sie zwei bis vier stabile Bohlen oder Platten als Unterlagen bereit, prüfen Sie jeden Standort mit der Wasserwaage und verfahren Sie den Turm nur auf festem Boden. Planen Sie den Heckenschnitt außerhalb der Schonzeit, wenn ein starker Rückschnitt nötig ist. Weitere Informationen zu leichten Gerüsten finden Sie auf der Seite Aluminiumgerüst.