Fenster austauschen: wann ein Gerüst nötig ist und wie es stehen muss
Die Frage, ob für einen Fenstertausch ein Gerüst nötig ist, stellt sich meist erst, wenn das Angebot des Fensterbauers auf dem Tisch liegt. Manche Betriebe tauschen alle Fenster eines Einfamilienhauses von innen und brauchen kein Gerüst. Andere setzen eines voraus. Beides kann richtig sein. Es hängt davon ab, wie die neuen Fenster eingebaut werden, wie schwer sie sind und was außen an der Fassade passiert. Dieser Beitrag hilft Ihnen, die Frage für Ihr Haus zu beantworten und das Gerüst dann so zu planen, dass der Einbau gelingt.
Auf einen Blick
- Ein reiner Austausch von innen ohne Arbeiten an der Außenseite kommt oft ohne Gerüst aus.
- Außenabdichtung, Putzanschluss, Vorwandmontage in der Dämmebene, Rollläden und große Elemente sprechen für ein Gerüst.
- Neue Fenster mit Dreifachverglasung sind deutlich schwerer als alte. Ein zweiflügeliges Fenster wiegt schnell 60 bis 75 kg, eine Schiebetür weit über 200 kg.
- Die Belaghöhe sollte so liegen, dass die Brüstung des Fensters etwa in Kniehöhe des Monteurs liegt.
- Material kommt über Treppenturm, Aufzug oder durch das Haus nach oben, nicht über die Leiter.
Von innen oder von außen: die Grundfrage
Beim klassischen Fenstertausch wird das alte Fenster von innen ausgebaut, das neue von innen in die Öffnung gesetzt, ausgerichtet, befestigt und abgedichtet. Die Monteure stehen im Zimmer. Das Fenster kommt über das Treppenhaus. Ist die Öffnung außen sauber und die Fassade bleibt unverändert, braucht es dafür kein Gerüst. Kleinere Ausbesserungen am Außenputz lassen sich im Erdgeschoss von einer Leiter oder einem kleinen Rollgerüst aus erledigen.
Anders sieht es aus, wenn eine der folgenden Bedingungen zutrifft:
- Außenseitige Abdichtung: Die äußere Abdichtungsebene, etwa Folien oder Bänder, wird von außen eingebaut und an die Fassade angeschlossen.
- Putz- oder Dämmanschluss: Nach dem Ausbau ist der Außenputz an der Laibung beschädigt und muss neu angeputzt werden.
- Vorwandmontage: Bei einer energetischen Sanierung sitzt das neue Fenster vor der alten Wand in der späteren Dämmebene. Die Montage erfolgt dann weitgehend von außen.
- Rollläden und Raffstores: Vorbaukästen, Führungsschienen und Sonnenschutz werden außen montiert.
- Große oder schwere Elemente: Bodentiefe Fenster, Schiebetüren und große Festverglasungen passen manchmal nicht durch das Treppenhaus oder sind innen nicht sicher zu handhaben.
- Gleichzeitige Fassadenarbeiten: Steht wegen Putz, Dämmung oder Anstrich ohnehin ein Gerüst, wird der Fenstertausch in diese Phase gelegt. Unser Beitrag zur Fassadensanierung zeigt, wie die Gewerke zusammenpassen.
Wie schwer sind neue Fenster?
Viele Hausbesitzer kennen ihre alten Fenster als relativ leicht. Neue Fenster sind spürbar schwerer, vor allem wegen der Verglasung. Glas wiegt rund 2,5 kg je Quadratmeter und Millimeter Dicke. Eine Dreifachverglasung mit drei Scheiben zu je 4 mm hat also 12 mm Glas und wiegt etwa 30 kg je Quadratmeter. Dazu kommen Rahmen, Flügel und Beschläge.
| Element | Größe (ca.) | Glasfläche (ca.) | Gewicht Glas | Gewicht gesamt (grob) |
|---|---|---|---|---|
| Fenster einflügelig | 1,00 × 1,25 m | 0,9 m² | 27 kg | 40–50 kg |
| Fenster zweiflügelig | 1,25 × 1,50 m | 1,4 m² | 42 kg | 60–75 kg |
| bodentiefes Element | 1,00 × 2,20 m | 1,6 m² | 48 kg | 70–90 kg |
| Schiebetür | 3,00 × 2,30 m | 5,5 m² | 165 kg | deutlich über 200 kg |
Die Werte sind grobe Anhaltspunkte für Dreifachverglasung mit 4-mm-Scheiben. Schallschutz- oder Sicherheitsglas ist dicker und schwerer. Das genaue Gewicht nennt der Fensterbauer.
Für das Gerüst bedeutet das: Zwei Monteure mit je rund 100 kg samt Werkzeug und ein Fenster mit 70 kg bringen auf einem Feld von 2,57 × 0,73 m etwa 270 kg auf knapp 1,9 m². Das sind rund 1,4 kN/m², also schon nahe an der Grenze von Lastklasse 2 mit 1,50 kN/m². Beim Absetzen des Elements entstehen zusätzlich Stoßlasten. Für den Fenstertausch empfiehlt sich deshalb ein Gerüst in Lastklasse 3. Große Schiebetüren werden nicht über das Gerüst getragen, sondern mit Kran, Vakuumheber oder Montagegerät eingebracht.
Die richtige Arbeitshöhe vor dem Fenster
Der Monteur muss das Fenster in die Öffnung setzen, unten auf Klötze stellen, ausrichten und den Anschluss rundum herstellen. Am angenehmsten ist das, wenn die Unterkante der Öffnung etwa in Kniehöhe liegt, also 40 bis 60 cm über dem Belag. Dann erreicht er die Brüstung mit leicht gebeugten Knien und den Sturz mit gestreckten Armen.
Ein Beispiel: Im Obergeschoss liegt der Fußboden bei 2,95 m, die Brüstung innen ist 0,90 m hoch. Die Unterkante der Öffnung liegt damit bei 3,85 m. Mit Fußspindeln auf 0,3 m Auszug und 2 m hohen Rahmen liegen die Beläge bei 2,3 m und 4,3 m. Von 2,3 m aus liegt die Brüstung 1,55 m hoch, das ist Brusthöhe und zum Einsetzen eines schweren Elements ungeeignet. Von 4,3 m aus liegt sie 45 cm unter den Füßen, der untere Anschluss ist so kaum sauber zu erreichen.
Abhilfe schafft ein Ausgleichsrahmen von 1 m Höhe in der untersten Lage. Die Beläge liegen dann bei 1,3 m, 3,3 m und 5,3 m. Von 3,3 m aus liegt die Brüstung im Obergeschoss 55 cm hoch, also in Kniehöhe. Für das Erdgeschoss mit Brüstung bei etwa 0,9 m arbeiten die Monteure meist vom Boden oder von der Lage auf 1,3 m aus. Rechnen Sie das Raster für Ihr Haus mit den tatsächlichen Maßen nach. Wenige Zentimeter Fußspindelauszug machen einen spürbaren Unterschied.
Laibung, Wandabstand und Fensterbank
Vor dem Fenster muss genug Raum bleiben, um ein Element hineinzuheben und an den Seiten zu arbeiten. Gleichzeitig gilt für den Spalt zwischen Belag und Wand in der Regel eine Grenze von 30 cm. Beide Anforderungen lassen sich gut vereinbaren: Mit einem Abstand von 20 bis 30 cm zur Fassade hat der Monteur Platz zum Einsetzen, und der Absturzschutz zur Wand bleibt gewahrt.
Schwieriger wird es bei tiefen Laibungen und bei der Vorwandmontage. Sitzt das Fenster 15 cm vor der alten Wand, rückt es entsprechend näher an den Belag. Wird danach gedämmt, wandert die Fassade noch einmal nach vorn. In solchen Fällen wird das Gerüst mit größerem Abstand gestellt und die Lücke mit Innenkonsolen geschlossen, die bei Bedarf umgesetzt werden.
Die äußere Fensterbank ragt meist einige Zentimeter über die fertige Fassade hinaus. Sie wird zuletzt montiert, wenn Putz oder Dämmung an der Laibung fertig sind. Ein montiertes Blech, auf das sich jemand vom Gerüst aus stützt, ist schnell verbogen.
Gerüsthalter und offene Öffnungen
Gerüsthalter gehören in tragfähiges Mauerwerk, nie in Fensterrahmen, Rollladenkästen oder Laibungsputz. Beim Fenstertausch ist das besonders wichtig, weil sich der Ankergrund an der Öffnung während der Arbeiten verändert. Planen Sie die Halter im Mauerwerk zwischen den Fensterachsen, mit ausreichendem Abstand zur Laibung, damit beim Ausbau nichts ausbricht.
Ein zweiter Punkt betrifft die Innenseite. Wird ein Fenster ausgebaut, entsteht in jedem Zimmer eine Öffnung nach draußen. Bei normalen Brüstungen ist das wenig kritisch, solange das Gerüst davor steht. Bei bodentiefen Fenstern im Obergeschoss ist die offene Öffnung von innen eine Absturzkante. Sichern Sie sie, bis das neue Element sitzt, und informieren Sie alle Bewohner, vor allem, wenn Kinder im Haus sind.
Material nach oben bringen
Ein Fenster mit 60 kg trägt niemand über eine Gerüstleiter. Für das Gerüst kommen drei Wege infrage:
- Durch das Haus: Das Element wird über das Treppenhaus ins Zimmer getragen und von dort eingesetzt. Das Gerüst dient nur als Arbeitsplatz außen. Das ist der häufigste Weg.
- Über einen Treppenturm: Bei vielen Elementen und breitem Gerüst lässt sich ein Fenster zu zweit über einen Treppenturm transportieren. Der Weg auf dem Belag bis zur Öffnung muss frei sein. Eine Übersicht der Zugänge bietet unser Beitrag zum Aufstieg am Gerüst.
- Über Aufzug oder Kran: Für große oder sehr schwere Elemente. Die Übergabe erfolgt direkt in die Öffnung oder auf einen dafür vorgesehenen Bereich.
Gerüstvarianten beim Fenstertausch
| Situation | Tellingud | Märkus |
|---|---|---|
| Tausch von innen, Fassade bleibt | meist keines | Ausbesserungen im EG per Leiter oder Rollgerüst |
| einzelne Fenster im OG mit Außenarbeiten | Gerüst vor den betroffenen Fensterachsen | auch ein kurzes Gerüst braucht Verankerung und Seitenschutz |
| alle Fenster mit Außenabdichtung | Fassadengerüst an den betroffenen Seiten | Raster auf Brüstungshöhen abstimmen |
| Vorwandmontage mit Dämmung | Fassadengerüst rundum | größerer Abstand, Innenkonsolen |
| Erdgeschoss, ebener Boden | Rollgerüst oder Bockgerüst | schnell umgesetzt, Rollen feststellen |
Gerade für einzelne Fenster ist ein kurzes Gerüst vor der jeweiligen Fensterachse eine wirtschaftliche Lösung. Zwei bis drei Felder breit, bis knapp über den Sturz, verankert und mit Seitenschutz an allen offenen Seiten. Es steht in einem halben Tag und lässt sich für die nächste Achse umsetzen. Bedenken Sie dabei, dass jedes Umsetzen einen Abbau, einen neuen Aufbau, neue Gerüsthalter und eine erneute Prüfung bedeutet. Ab drei oder vier Fensterachsen an derselben Hausseite ist ein durchgehendes Gerüst über die ganze Seite oft schneller und spart Bohrlöcher in der Fassade.
Wetter, Staub und provisorischer Verschluss
Zwischen dem Ausbau des alten und dem Einbau des neuen Fensters steht die Öffnung offen. Bei einer Innenmontage sind das meist nur wenige Stunden. Bei der Vorwandmontage oder wenn Elemente nicht rechtzeitig geliefert werden, kann es länger dauern. Halten Sie für diesen Fall Folie und Latten bereit, mit denen die Öffnung von außen verschlossen wird. Vom Gerüst aus lässt sich das schnell und sicher erledigen, von der Leiter aus kaum.
Ein Netz am Gerüst hält bei Wind lose Folien, Verpackungen und Dichtbandreste zurück. Davon fällt beim Fenstertausch mehr an, als man denkt. Räumen Sie den Belag nach jedem Fenster auf. Schaumdosen, Keile und Schrauben auf dem Stahlboden sind Stolperfallen, und alles, was vom Belag rollt, fällt auf den Bereich vor dem Haus. Wer im Winter tauscht, plant zusätzlich Zeit für die Anschlüsse ein, denn viele Dichtstoffe und Klebebänder haben eine Mindesttemperatur für die Verarbeitung.
Ablauf eines Fenstertauschs mit Gerüst
- Aufmaß der Öffnungen und Klärung der Montageart mit dem Fensterbauer
- Planung des Höhenrasters nach den Brüstungshöhen
- Aufbau, Prüfung und Freigabe des Gerüsts
- Ausbau der alten Fenster, Sicherung offener Öffnungen
- Einbau und Befestigung der neuen Elemente
- Abdichtung außen und innen, Anschluss an Putz oder Dämmung
- Montage von Fensterbänken, Rollläden und Sonnenschutz
- Abschluss der Fassadenarbeiten, dann Abbau
Checkliste vor dem Fenstertausch
- Ist geklärt, ob die Montage von innen oder von außen erfolgt?
- Kennen Sie das Gewicht des schwersten Elements?
- Erreicht das Gerüst Lastklasse 3?
- Liegen die Beläge passend zu den Brüstungshöhen?
- Sitzen die Gerüsthalter im Mauerwerk zwischen den Fenstern?
- Ist der Wandabstand auch nach einer Vorwandmontage noch zulässig?
- Gibt es einen Weg für das Material, der nicht über die Leiter führt?
- Sind bodentiefe Öffnungen von innen gesichert?
Was wir Ihnen raten
Fragen Sie den Fensterbauer früh nach der Montageart und nach dem Gewicht der Elemente. Erst dann entscheiden Sie über das Gerüst. Kommt nur die Innenmontage infrage und bleibt die Fassade unberührt, sparen Sie sich das Gerüst. Werden außen Anschlüsse hergestellt, rüsten Sie die betroffenen Seiten ein und stimmen Sie das Höhenraster auf die Brüstungen ab. Planen Sie bei mehreren Gewerken an der Fassade den Fenstertausch vor Dämmung und Putz. Ist das Gerüst nach dem Tausch nicht mehr nötig, können Sie gut erhaltenes Material über unseren Ankauf wieder abgeben.