Gerüst-Wiki · Kupplungen und Verbinder

Normalkupplung (rechtwinklig)

Die Normalkupplung verbindet zwei Gerüstrohre im rechten Winkel. Hier lesen Sie, wie sie aufgebaut ist, richtig angezogen wird und woran man Verschleiß erkennt.

Auch bekannt als: Kreuzkupplung, Kreuzschelle, Rechtwinkelkupplung, Festkupplung, starre Kupplung, Normalschelle, Schelle

Normalkupplung (rechtwinklig) – Beispiel aus unserem Lager
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Schemazeichnung Normalkupplung (rechtwinklig)
Schemazeichnung (herstellerneutral)

Wozu dient die Normalkupplung?

Wer auf einer Baustelle nach einer Schelle ruft, meint in neun von zehn Fällen die Normalkupplung. Sie klemmt zwei Rohre mit 48,3 mm Außendurchmesser fest im rechten Winkel aneinander – und zwar so, dass sich die Verbindung weder verdreht noch auf dem Rohr verrutscht. Genau das unterscheidet sie von der Drehkupplung, die jeden beliebigen Winkel zulässt, dafür aber weniger Last in bestimmten Richtungen abträgt.

Gebraucht wird sie praktisch überall, wo am Systemgerüst etwas angepasst werden muss: Ein Gerüstrohr wird als Streichrohr an die Stiele gesetzt, ein Gitterträger bekommt seinen Anschluss am Rahmen, ein Wandhalter wird am Innenstiel befestigt oder ein reines Rohr-Kupplungs-Gerüst rund um einen Schornstein gebaut. Ohne starre Knoten an diesen Stellen würde sich das Gerüst unter Last verschieben, Verankerungen könnten ihre Kräfte nicht sauber einleiten.

Aufbau und Varianten

Eine Normalkupplung besteht aus zwei Klemmbacken, die über ein Mittelstück fest und um 90 Grad versetzt miteinander verbunden sind. Jede Backe hat einen Klappdeckel, der mit einer Schraube – meist einer T-Kopf- oder Hammerkopfschraube – und einer Mutter geschlossen wird. Gängig ist die Schlüsselweite 22, bei manchen Modellen auch 19; viele Gerüstbauer haben deshalb eine Ratsche mit beiden Größen am Gürtel.

  • Geschmiedete Kupplungen sind massiv, schwerer und gelten als sehr robust.
  • Gepresste Kupplungen aus Stahlblech sind leichter, im Alltag aber genauso verbreitet.
  • Die Oberfläche ist in der Regel feuerverzinkt oder galvanisch verzinkt.

Geprüft und eingeteilt werden Gerüstkupplungen nach DIN EN 74-1. Dort gibt es die Klassen A und B; für tragende Anschlüsse verlangen die Anleitungen meist Klasse B. Werden zwei baugleiche Kupplungen direkt aneinandergesetzt, spricht man von der Ausführung BB – die zweite Kupplung dient dann als Rutschsicherung und muss die erste im unbelasteten Zustand berühren.

So wird die Normalkupplung montiert

  1. Kupplung vorab ansehen: Schraube leichtgängig, Gewinde sauber und leicht gefettet, Klappe nicht aufgebogen.
  2. Erste Backe um das tragende Rohr legen, Klappe schließen und die Mutter von Hand andrehen.
  3. Das anzuschließende Rohr in die zweite Backe einlegen und in die gewünschte Lage bringen – möglichst nah am Knotenpunkt.
  4. Darauf achten, dass das freie Rohrende ausreichend übersteht; viele Anleitungen fordern mindestens 4 cm hinter der Kupplung.
  5. Beide Muttern mit 50 Nm anziehen. Mit etwas Übung trifft man das mit der Ratsche, ein Drehmomentschlüssel schafft Gewissheit.
  6. Zum Schluss Sichtkontrolle: Sitzt die Backe vollflächig am Rohr, ist kein Spalt zu sehen, steht nichts schief?

Beim Abbau löst man die Kupplungen in umgekehrter Reihenfolge und nimmt das Rohr erst heraus, wenn es gesichert ist. Kupplungen gehören dann in die Gitterbox, nicht lose auf den Belag.

Worauf Sie achten sollten

  • Zu lasch angezogen ist der häufigste Fehler. Eine Kupplung, die nur „fest aussieht“, kann unter Last rutschen.
  • Überdreht ist aber ebenfalls schlecht: Gestreckte Schrauben oder aufgeweitete Klappen tauschen.
  • Nur für 48,3-mm-Rohre aus Stahl oder Aluminium verwenden, keine Wasserleitungen oder dünnwandigen Fremdrohre.
  • Korrodierte Gewinde fressen sich fest und erreichen das Anzugsmoment nicht – ein Tropfen Öl-Fett-Gemisch hilft im Lager viel.
  • Risse am Mittelniet oder an den Gelenken machen die Kupplung unbrauchbar, auch wenn sie sonst gut aussieht.
  • Gebraucht kaufen: Achten Sie auf leichtgängige Schrauben, unbeschädigte Kennzeichnung mit Norm und Klasse, gerade Klappen und intakte Verzinkung. Ein paar Rostflecken sind normal, angefressene Gewinde nicht.

Welche Kupplungen an welcher Stelle zulässig sind, legt immer die Aufbau- und Verwendungsanleitung des jeweiligen Systems fest. Wer unsicher ist, ob eine Normal- oder Drehkupplung gefordert ist, schaut dort nach oder fragt die befähigte Person, die das Gerüst nach TRBS 2121 prüft. Für Anschlüsse ohne zweites Rohr – etwa an Konsolen oder Trägern – kommt übrigens die Halbkupplung zum Einsatz.

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Mit wie viel Nm wird eine Gerüstkupplung angezogen?
Schraubkupplungen werden üblicherweise mit 50 Nm angezogen. Maßgeblich ist aber immer die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Gerüstsystems.
Was ist der Unterschied zwischen Normalkupplung und Drehkupplung?
Die Normalkupplung verbindet zwei Rohre starr im rechten Winkel, die Drehkupplung erlaubt jeden Winkel. Für Diagonalen nimmt man daher Drehkupplungen, für rechtwinklige Anschlüsse Normalkupplungen.
Welche Schlüsselweite haben Gerüstkupplungen?
Die meisten Gerüstkupplungen haben Schlüsselweite 22, einige Modelle 19. Viele Gerüstbauer nutzen deshalb eine Ratsche mit beiden Größen.

Maßgeblich sind immer die Aufbau- und Verwendungsanleitung und die Zulassung des jeweiligen Gerüstsystems. Auf-, Um- und Abbau nur durch fachkundige Beschäftigte unter Aufsicht einer befähigten Person.

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