Eigenes Gerüst für Heimwerker: was Privatleute beachten müssen
Ein eigenes Gerüst am Haus hat etwas Befreiendes: Man arbeitet im eigenen Tempo, kann am Wochenende streichen, nach Feierabend die Dachrinne reinigen und muss für die Standzeit niemanden fragen. Viele Hausbesitzer, die mehrere Projekte über einige Jahre planen, kommen deshalb auf die Idee, ein Gerüst zu kaufen statt immer wieder eines stellen zu lassen. Damit übernehmen sie aber auch die Aufgaben, die sonst ein Gerüstbauer trägt: Planung, Aufbau, Prüfung und die Verantwortung für alle, die das Gerüst betreten oder daran vorbeigehen. Dieser Beitrag richtet sich an Privatleute und zeigt, worauf es ankommt.
Auf einen Blick
- Ein eigenes Gerüst lohnt sich vor allem bei mehreren Projekten, langen Standzeiten oder wenn Sie es nach dem Projekt wieder verkaufen.
- Arbeitsschutzregeln für Betriebe binden Privatleute nicht unmittelbar. Die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers und die Verantwortung gegenüber Dritten gelten trotzdem.
- Helfer, Nachbargrundstück, Gehweg und beauftragte Handwerker sind die vier Punkte, die Sie vorab klären sollten.
- Aufbau nie allein, nie ohne Anleitung, nie ohne vollständigen Seitenschutz.
Wann sich ein eigenes Gerüst für Privatleute lohnt
Ob Kaufen oder Stellen lassen günstiger ist, hängt vor allem von der Dauer und der Zahl der Einsätze ab. Den Vergleich im Detail behandelt der Beitrag Gerüst kaufen oder mieten. Für Heimwerker kommen einige Gesichtspunkte hinzu, die sich nicht in Geld ausdrücken lassen:
- Zeit: Wer nur am Wochenende arbeitet, braucht für einen Fassadenanstrich schnell zwei bis drei Monate. Bei einem gestellten Gerüst läuft in dieser Zeit die Standzeit mit.
- Mehrere Vorhaben: Dach im ersten Jahr, Fassade im zweiten, Fenster und Rinnen nebenher. Das gleiche Gerüst kann mehrfach eingesetzt werden.
- Wiederverkauf: Gut erhaltenes Material eines verbreiteten Systems behält einen Teil seines Werts.
- Lagerplatz: Ein Gerüst für ein Einfamilienhaus braucht in Gestellen grob die Fläche eines Pkw-Stellplatzes, besser etwas mehr. Ohne Platz zum Lagern wird es schwierig.
- Körperliche Voraussetzungen: Aufbauen heißt Tragen, Heben und Arbeiten in der Höhe. Wer nicht schwindelfrei ist oder Rücken- und Gelenkprobleme hat, sollte ehrlich abwägen.
Einen Überblick über typische Mengen und Ausstattungen für Wohnhäuser gibt der Beitrag Gerüst für das Einfamilienhaus kaufen.
Welche Regeln für Privatleute gelten
Die Betriebssicherheitsverordnung, die Technischen Regeln für Betriebssicherheit und die Handlungsanleitungen der Unfallversicherungsträger richten sich an Arbeitgeber und Betriebe. Wer als Privatperson am eigenen Haus arbeitet, ist nicht unmittelbar an sie gebunden. Das heißt aber nicht, dass alles erlaubt ist. Drei Dinge gelten in jedem Fall:
- Die Aufbau- und Verwendungsanleitung: Sie beschreibt, wie das Gerüst sicher steht: Ankerraster, Diagonalen, Lastklasse, zulässige Ergänzungen. Ein Gerüst, das davon abweicht, ist kein geprüftes System mehr, sondern eine Eigenkonstruktion ohne Nachweis.
- Die Verantwortung gegenüber anderen: Wer ein Gerüst aufstellt, muss dafür sorgen, dass andere dadurch nicht zu Schaden kommen: Passanten, Nachbarn, Besucher, spielende Kinder. Das betrifft herabfallendes Material ebenso wie den Zugang Unbefugter.
- Genehmigungen für fremde Flächen: Steht das Gerüst auf dem Gehweg oder auf dem Nachbargrundstück, brauchen Sie die Zustimmung der Gemeinde oder des Nachbarn.
Für ein Gerüst, das auf dem eigenen Grundstück steht, ist in aller Regel keine eigene Genehmigung nötig. Ob für Ihr Vorhaben selbst, etwa eine Dämmung oder eine Dachänderung, Vorschriften gelten, klären Sie bei der Bauaufsicht Ihrer Gemeinde. Eine Übersicht über Pflichten und Normen gibt der Beitrag Gerüst-Sicherheit, Genehmigungen und Normen im Ratgeber.
Vier Punkte, die Sie vorher klären sollten
Helfer
Kaum jemand baut ein Gerüst allein auf, und das sollte auch niemand tun. Wer Freunde, Nachbarn oder Bekannte zum Helfen einlädt, sollte sich vorher informieren, wie diese bei einem Unfall abgesichert sind. Bei privaten Bauvorhaben kann eine Pflicht bestehen, Helfer bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft anzumelden. Wann das gilt und wann nicht, hängt von Umfang und Art der Hilfe ab. Fragen Sie bei der BG BAU und bei Ihrer privaten Haftpflicht- und Unfallversicherung nach, bevor der erste Rahmen steht.
Nachbargrundstück
Bei Grenzbebauung oder schmalen Abständen steht das Gerüst oft zum Teil auf dem Grundstück nebenan. Ohne Einverständnis des Nachbarn geht das nicht. Was dabei zu beachten ist, beschreibt der Beitrag Gerüst auf dem Nachbargrundstück. Halten Sie die Absprache schriftlich fest, mit Dauer, Fläche und Zustand des Grundstücks vor dem Aufbau.
Gehweg und Straße
Ragt das Gerüst in den öffentlichen Raum, ist eine Sondernutzungserlaubnis der Gemeinde nötig, oft mit Auflagen zu Absperrung, Beleuchtung und Durchgangsbreite. Die Genehmigung braucht Vorlauf. Einzelheiten stehen im Beitrag Gerüst auf Gehweg und Straße.
Handwerker auf Ihrem Gerüst
Dieser Punkt wird am häufigsten übersehen. Wenn Sie für einen Teil der Arbeit Handwerker beauftragen, etwa einen Dachdecker oder Klempner, gelten für deren Mitarbeiter die Arbeitsschutzregeln vollständig. Der Betrieb muss sicherstellen, dass das Gerüst für seine Leute sicher ist. Ein von Privatleuten aufgebautes Gerüst ohne Prüfung und Kennzeichnung wird ein seriöser Betrieb deshalb oft nicht betreten oder erst nach einer Prüfung durch eine befähigte Person. Klären Sie das, bevor Sie den Auftrag vergeben, und planen Sie gegebenenfalls eine Prüfung ein.
Welches Gerüst zu Heimwerkern passt
Für ein Wohnhaus mit glatter Fassade ist ein Rahmengerüst die übliche Wahl. Es kommt mit wenigen Bauteilarten aus, ist logisch aufgebaut und gut dokumentiert. Die schmale Variante mit 0,73 m Systembreite genügt für Anstrich, Putzausbesserung, Fenster und Rinnen und ist leichter als die breite. Viele Heimwerker entscheiden sich für Aluminium, weil sie selbst transportieren und meist zu zweit aufbauen. Stahl ist robuster und in der Anschaffung günstiger, aber etwa doppelt so schwer.
Für einzelne Stellen, etwa ein Fenster im Obergeschoss oder die Decke im Treppenhaus, reicht oft ein Fahrgerüst. Wer beides braucht, prüft, ob das System den Aufbau eines fahrbaren Turms aus Rahmen vorsieht.
Wie viel Gerüst typische Heimwerkerprojekte brauchen
Nicht jedes Vorhaben verlangt ein Gerüst rund ums Haus. Oft genügt es, eine Seite einzurüsten und das Material danach umzusetzen. Das spart Anschaffung, kostet aber jedes Mal einen Ab- und Aufbau. Die Tabelle gibt grobe Anhaltspunkte für ein anderthalbgeschossiges Siedlungshaus mit 8 × 10 m Grundfläche und 4,5 m Traufhöhe.
| Vorhaben | Gerüstumfang | Poznámka |
|---|---|---|
| Fassade streichen | rundum oder seitenweise, bis unter die Traufe | seitenweise Umsetzen spart Material, kostet Zeit |
| Dachrinnen erneuern | Traufseiten, oberste Lage knapp unter der Traufe | bei Arbeiten am Dach Dachfang mit Schutzwand |
| Fenster im Obergeschoss tauschen | einzelne Felder vor den Fenstern | Elemente sind schwer, ausreichende Breite und Lastklasse wählen |
| Giebel ausbessern | Giebelseite bis in die Spitze | Lagen werden nach oben kürzer, Stirnseiten sichern |
| Holzverkleidung ölen | betroffene Wandflächen | geringe Last, schmale Breite genügt |
Gebrauchtes Material ist für Heimwerker eine Möglichkeit, wenn es geprüft, vollständig und systemrein ist und die passende Anleitung beschafft werden kann. Ein Mischposten aus der Kleinanzeige mit unbekannter Herkunft spart am falschen Ende.
Planung in sieben Schritten
- Maße nehmen: Wandlängen, Traufhöhe, Lage von Fenstern, Türen, Vordächern, Fallrohren und Lichtschächten. Ein Siedlungshaus mit 8 × 10 m Grundfläche und 4,5 m Traufhöhe braucht bei rund 39 m Gerüstlänge und 5,5 m Höhe rundum etwa 215 m² Gerüstfläche, eine einzelne Traufseite mit 10 m etwa 60 m².
- Ankergrund prüfen: Woraus besteht das Mauerwerk? Beton, Kalksandstein, Vollziegel, Lochziegel oder Porenbeton verlangen unterschiedliche Dübel. Im Zweifel an einer unauffälligen Stelle anbohren.
- Untergrund ansehen: Pflaster, Rasen, Beet, Kies, Gefälle. Weicher Boden braucht lastverteilende Unterlagen.
- Sonderstellen lösen: Wie wird der Hauseingang frei gehalten, wie das Vordach überbrückt?
- Aufstieg festlegen: ein innenliegender Leitergang mit Durchstiegsböden, nicht eine Anlegeleiter von außen.
- Termine planen: Für den Aufbau einer Hausseite rechnen ungeübte Zweierteams eher mit einem ganzen Tag als mit wenigen Stunden. Wählen Sie windarme, trockene Tage.
- Prüfung organisieren: Wer prüft den fertigen Aufbau? Sie selbst anhand der Anleitung und einer Checkliste, besser zusätzlich eine fachkundige Person.
Aufbau: worauf Heimwerker besonders achten sollten
Die Reihenfolge beim Aufbau und die häufigsten technischen Fehler behandelt unser Beitrag Gerüst richtig aufbauen. Für Heimwerker sind einige Punkte besonders wichtig:
- Die erste Lage entscheidet. Nehmen Sie sich für das Ausrichten der Fußspindeln Zeit. Was unten schief ist, wird oben nicht gerade.
- Anker gleich mitsetzen. Gerüsthalter werden beim Aufbau Lage für Lage nach dem Ankerplan eingebaut, nicht am Ende.
- Seitenschutz vor dem Betreten. Bevor Sie eine neue Lage betreten, um dort zu arbeiten, müssen Geländer, Zwischengeländer und Bordbretter montiert sein.
- Nichts weglassen. Jede Diagonale, jedes Stirngeländer und jedes Bordbrett aus der Anleitung hat eine Funktion.
- Wandabstand beachten. Der Belag sollte höchstens etwa 30 cm von der Wand entfernt sein. Bei größerem Abstand Innenkonsolen einsetzen.
Sicherheit im Alltag mit dem Gerüst
Ein Gerüst am Privathaus steht oft wochenlang, und die meisten Unfälle passieren nicht beim Aufbau, sondern bei der Nutzung. Ein paar Regeln helfen:
- Nehmen Sie abends die unterste Leiter heraus oder sperren Sie den Zugang, damit Kinder nicht hinaufklettern.
- Lassen Sie kein loses Material auf den Lagen liegen, wenn Sie nicht arbeiten, vor allem nicht bei angekündigtem Wind.
- Bauen Sie Seitenschutz nicht „nur kurz“ ab, um etwas hochzureichen.
- Kontrollieren Sie nach Sturm, Starkregen oder Frost, ob Anker, Spindeln und Beläge noch fest sitzen.
- Arbeiten Sie nicht allein auf dem Gerüst, oder sagen Sie zumindest jemandem Bescheid.
- Sichern Sie den Bereich unter dem Gerüst, wenn Sie oben mit Werkzeug oder Material arbeiten.
Ein Wort zum Wetter: Wer nur am Wochenende Zeit hat, ist versucht, auch bei Wind oder Nieselregen hinaufzusteigen. Nasse Stahlböden und Holzbohlen sind rutschig, und Böen machen das Hantieren mit Platten, Eimern oder langen Werkzeugen gefährlich. Netze und Planen am Gerüst erhöhen die Windlast deutlich und dürfen nur angebracht werden, wenn die Verankerung dafür ausgelegt ist. Verschieben Sie die Arbeit lieber um einen Tag, als bei schlechten Bedingungen auf der obersten Lage zu stehen.
Typische Fehler von Heimwerkern
- Aufbau ohne Anleitung, „nach Gefühl“ oder nach einem Video eines anderen Systems
- Material verschiedener Systeme gemischt, weil die Teile „irgendwie passen“
- Gerüsthalter an Fallrohren, Fensterrahmen oder in bröseligen Putz statt in tragfähiges Mauerwerk gesetzt
- Bordbretter weggelassen, weil sie beim Streichen stören
- Leiter von außen angelehnt statt innenliegendem Aufstieg
- Gerüst auf Gehweg oder Nachbarfläche ohne Erlaubnis
- Handwerker beauftragt, ohne vorher zu klären, ob sie das Gerüst nutzen dürfen
- Material nach dem Abbau nass und ungeordnet im Garten liegen gelassen
Nach dem Projekt
Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, haben Sie zwei Möglichkeiten: Sie lagern das Gerüst für das nächste Vorhaben ein, gereinigt, sortiert und trocken, oder Sie verkaufen es weiter. Vollständiges, sauberes Material eines gängigen Systems lässt sich deutlich leichter verkaufen als ein ungeordneter Haufen. CETRAC kauft gebrauchte Gerüste an, Informationen dazu finden Sie unter Ankauf. Ob sich Kosten rund um Gerüst und Handwerkerleistungen steuerlich auswirken, hängt vom Einzelfall ab. Einen allgemeinen Überblick gibt der Beitrag zur steuerlichen Absetzbarkeit im Ratgeber, verbindlich klären lässt sich das nur mit einer Steuerberatung.
Unsere Empfehlung
Bevor Sie ein Gerüst kaufen, schreiben Sie auf, welche Arbeiten Sie in den nächsten zwei bis drei Jahren am Haus planen und welche davon Sie selbst ausführen. Klären Sie dann die vier Punkte Helfer, Nachbar, Gehweg und Handwerker. Wenn diese Fragen beantwortet sind und Sie einen Lagerplatz haben, ist ein eigenes Gerüst für viele Hausbesitzer eine gute Lösung. Kaufen Sie ein verbreitetes System mit Anleitung, vollständigem Seitenschutz und passenden Ankern, bauen Sie mit mindestens zwei Personen auf und nehmen Sie sich für die erste Lage die meiste Zeit.