Gerüst-Wiki · Seitenschutz

Vorlaufender Seitenschutz (Montagesicherungsgeländer)

Mit vorlaufendem Seitenschutz steht das Geländer schon, bevor jemand die nächste Lage betritt – so funktioniert das Montagesicherungsgeländer.

Auch bekannt als: Montagesicherungsgeländer, MSG, Montagegeländer, Vorlaufgeländer, Montageschutzgeländer, Teleskopgeländer, Montagepfosten

Schemazeichnung Vorlaufender Seitenschutz (Montagesicherungsgeländer)
Schemazeichnung (herstellerneutral)

Wozu dient der vorlaufende Seitenschutz?

Der heikelste Moment beim Gerüstbau ist der Schritt auf eine Lage, die noch kein Geländer hat. Früher hat man sich dort mit Gurt und Erfahrung beholfen. Der vorlaufende Seitenschutz dreht die Reihenfolge um: Das Geländer für die nächste Lage wird von unten aus, also von der bereits gesicherten Ebene, eingebaut. Wenn der Monteur nach oben steigt, ist die Absturzkante schon abgesichert.

Die Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS 2121 Teil 1) verlangen, dass gegen Absturz vorrangig technisch gesichert wird und persönliche Schutzausrüstung nur dort zum Einsatz kommt, wo das nicht geht. Beim Fassadengerüst ist der vorlaufende Seitenschutz in Deutschland deshalb heute der Normalfall und nicht die Ausnahme.

Aufbau und Varianten

Es gibt zwei grundsätzliche Wege, die je nach System auch kombiniert werden:

  • Montagesicherungsgeländer als Zusatzausrüstung: Es besteht aus Montagepfosten, meist aus Stahl oder Aluminium, und teleskopierbaren Geländerholmen aus Aluminium. Der Pfosten wird außen an den Ständer des Rahmens geklemmt oder eingehängt und trägt das Geländer in rund 1 m Höhe über der nächsten Belagebene, manche Ausführungen zusätzlich auf halber Höhe. Die Teleskopholme decken mehrere Feldlängen ab, etwa 1,57 bis 2,07 m oder 2,57 bis 3,07 m. Für die Gerüstenden gibt es eigene Stirnteile.
  • Systemintegrierte Lösung: Hier ist das normale Geländer so gestaltet, dass es sich von unten in die nächsthöhere Lage einhängen lässt. Beim Modulgerüst mit Rosette werden Vertikalstiele gesteckt und die Rohrriegel der nächsten Lage aus der sicheren Ebene heraus angeschlossen. Zusatzteile entfallen dann weitgehend.

Welche Teile zugelassen sind und wie sie zu kombinieren sind, legt allein die Aufbau- und Verwendungsanleitung des jeweiligen Systems fest.

So wird der vorlaufende Seitenschutz montiert

  1. Die untere Lage ist vollständig ausgelegt, mit Seitenschutz versehen und, wo vorgesehen, verankert.
  2. Vom gesicherten Belag aus den ersten Montagepfosten am Ständer anbringen und die Verriegelung schließen.
  3. Teleskopgeländer einhängen, den zweiten Pfosten am freien Ende koppeln und ebenfalls am Ständer befestigen. So Feld für Feld über die ganze Gerüstlänge weiterarbeiten, an den Enden die Stirnteile setzen.
  4. Im Aufstiegsfeld und dort, wo Material hochgereicht wird, Hand- und Knieholm einbauen.
  5. Über den Aufstieg auf die neue Lage steigen, Klappe des Durchstiegs schließen und im Schutz des Montagegeländers Stellrahmen, Geländer, Böden und Bordbretter einbauen.
  6. Erst wenn der endgültige Seitenschutz steht, die Montagepfosten lösen und eine Lage höher umsetzen.

Beim Abbau gilt dasselbe Prinzip rückwärts: Das Montagegeländer sitzt an der vorletzten Ebene, bevor die oberste Lage zurückgebaut wird, und wandert dann Lage für Lage mit nach unten.

Worauf Sie achten sollten

  • Nur zugelassene Teile: Montagepfosten und Teleskopholme müssen für das verwendete Gerüstsystem vorgesehen sein. Selbstbaulösungen aus Rohr und Kupplung sind kein Ersatz.
  • Verriegelung prüfen: Federn, Klauen und Sperrklinken müssen selbsttätig einrasten. Schwergängige oder verbogene Mechaniken aussortieren.
  • Teleskop sauber halten: Mörtel und Farbe in den Gleitrohren verhindern das Ausziehen und führen zu Gewalt beim Umsetzen.
  • Kein Dauergeländer: Das Montagegeländer ersetzt nicht den dreiteiligen Seitenschutz, den Nutzer später brauchen.
  • Gebraucht kaufen: Achten Sie auf vollständige Sätze aus Pfosten und passenden Holmen, intakte Verriegelungen und unbeschädigte Aluprofile ohne Knicke.

Pyetje të shpeshta

Ist vorlaufender Seitenschutz beim Gerüstbau Pflicht?
Die TRBS 2121 Teil 1 verlangt vorrangig technische Maßnahmen gegen Absturz. Beim Auf- und Abbau von Fassadengerüsten ist ein vorlaufender Seitenschutz deshalb in Deutschland der Regelfall, persönliche Schutzausrüstung kommt nur ergänzend oder in begründeten Ausnahmen zum Einsatz.
Was ist ein MSG beim Gerüst?
MSG steht für Montagesicherungsgeländer. Es besteht aus Montagepfosten und teleskopierbaren Holmen, die von der gesicherten Lage aus für die nächste Lage montiert werden.
Kann das Montagegeländer am fertigen Gerüst bleiben?
Nein, es ist eine Hilfe für Auf- und Abbau. Für die Nutzung braucht jede Arbeitslage den vollständigen Seitenschutz aus Geländer, Zwischengeländer und Bordbrett.

Maßgeblich sind immer die Aufbau- und Verwendungsanleitung und die Zulassung des jeweiligen Gerüstsystems. Auf-, Um- und Abbau nur durch fachkundige Beschäftigte unter Aufsicht einer befähigten Person.

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