Gerüst für die Fassadensanierung: was jedes Gewerk braucht

Eine Fassadensanierung ist selten eine einzelne Arbeit. Erst wird alter Putz abgeschlagen oder die Fläche gereinigt, dann wird gedämmt oder neu verputzt, am Ende kommt der Anstrich. Dazwischen tauscht jemand die Fensterbänke, der Elektriker verlegt eine Leitung für die neue Außenleuchte. Jeder dieser Handwerker stellt andere Anforderungen an das Gerüst. Wer die Unterschiede kennt, legt das Gerüst gleich zu Beginn so aus, dass es alle Phasen trägt, und vermeidet teure Umbauten mitten in der Sanierung.

Auf einen Blick

  • Das Gerüst wird nach dem anspruchsvollsten Gewerk ausgelegt, meist nach Putzer oder Maurer.
  • Der Wandabstand verändert sich während der Sanierung, vor allem bei Dämmung und Vormauerschale.
  • Netze und Planen schützen, erhöhen aber die Windlast und damit die Zahl der Gerüsthalter.
  • Umbauten am Gerüst zwischen den Gewerken macht nur, wer dazu befähigt ist, nicht der jeweilige Nutzer.

Die Reihenfolge der Gewerke bestimmt das Gerüst

Bevor Sie über Lastklassen nachdenken, legen Sie die Reihenfolge fest. Eine typische Sanierung läuft von grob nach fein und von oben nach unten: Dach und Dachrinne zuerst, dann Rückbau an der Fassade, danach Fenster, Dämmung oder Putz, zuletzt Anstrich und Anschlussarbeiten. Jede Phase hinterlässt die Fassade in einem anderen Zustand. Das Gerüst muss zu jedem dieser Zustände passen.

Daraus ergeben sich drei Grundfragen für die Planung:

  1. Welches Gewerk bringt die größte Last auf den Belag? Danach richtet sich die Lastklasse.
  2. Wie weit wächst die Fassade nach außen? Danach richten sich Wandabstand und Konsolen.
  3. Welches Gewerk erzeugt Staub, Spritzer oder herabfallende Teile? Danach richten sich Netze, Planen und Schutzdächer.

Gewerk für Gewerk: die Anforderungen im Einzelnen

Die folgenden Abschnitte gehen die Arbeiten in der Reihenfolge durch, in der sie bei einer typischen Sanierung anfallen. Für jedes Gewerk zählt etwas anderes: mal das Gewicht, mal der Abstand zur Wand, mal der Schutz der Umgebung.

Rückbau, Reinigung und Untergrundvorbereitung

Die ersten Tage einer Sanierung sind oft die schmutzigsten. Wird alter Putz abgeschlagen, fallen große Mengen Material an. Ein Teil landet auf dem Belag und wird dort schnell schwer: Ein paar Eimer Altputz wiegen mehr, als viele denken. Lassen Sie Schutt nicht auf den Böden liegen, sondern bringen Sie ihn über eine Schuttrutsche direkt in den Container. Die Rutsche wird am Gerüst befestigt, die Einfüllöffnung braucht ihren eigenen Seitenschutz.

Beim Reinigen mit Hochdruck oder beim Strahlen entstehen Wasser, Schlamm und Staub. Planen schützen hier Nachbarn, Autos und Gehweg. Achten Sie darauf, dass das Wasser nicht direkt unter die Fußplatten läuft und den Boden aufweicht. Für diese Phase reicht Lastklasse 2 oft aus, sofern niemand Material lagert. Da das Gerüst aber ohnehin für die folgenden Gewerke steht, ist die Frage meist schon durch die späteren Arbeiten beantwortet.

Putzsanierung: Gewicht und Höhenraster

Putzer bringen Säcke, Eimer, Mörtelkübel und oft eine Putzmaschine mit Schlauch auf die Baustelle. Auf dem Belag stehen damit schnell mehrere hundert Kilogramm pro Feld. Das Gerüst sollte deshalb in der Regel Lastklasse 3 mit 2,00 kN/m² erreichen. Ebenso wichtig ist das Höhenraster: Putz wird möglichst ohne Ansatz über die volle Fläche gezogen. Liegen die Gerüstlagen ungünstig, entstehen an jeder Lage sichtbare Übergänge. Wie Sie das vermeiden und wie der Arbeitsablauf je Putzlage aussieht, steht in unserem Beitrag zum Gerüst für Putzarbeiten.

Dämmung: der Wandabstand wandert

Beim Wärmedämmverbundsystem kommen auf die alte Wand Kleber, Dämmplatte, Armierung und Oberputz. Bei 16 cm Dämmung sind das inklusive Kleber und Putz rund 18 bis 19 cm. Um diesen Betrag rückt die Oberfläche näher an das Gerüst heran. Ein Gerüst, das vorher mit 30 cm Abstand stand, hat nach der Dämmung nur noch gut 10 cm Platz. Das ist zu eng, um sauber zu arbeiten.

Die übliche Lösung: Das Gerüst wird mit größerem Abstand gestellt, die Lücke zur alten Wand wird mit Innenkonsolen geschlossen. So bleibt der Belagabstand während der Arbeit im zulässigen Bereich. Hinzu kommt die Frage der Gerüsthalter. Sie gehen durch die Dämmebene ins tragfähige Mauerwerk. Die Halter werden länger, und an jedem Durchstoßpunkt muss die Dämmung später sauber geschlossen werden. Einzelheiten zu Abstand, Halterlängen und Konsolen erklärt der Beitrag zum WDVS-Gerüst.

Klinker und Vormauerschale: das schwerste Gewerk

Wer eine neue Vormauerschale aus Klinker vor das Haus setzt, stellt das Gerüst vor die größte Belastungsprobe der ganzen Sanierung. Ein Rechenbeispiel zeigt, warum: Ein Feld mit 2,57 m Länge und 0,73 m Breite hat rund 1,88 m² Belagfläche. Bei Lastklasse 3 sind das etwa 3,76 kN, also umgerechnet rund 380 kg für das ganze Feld. Zwei Maurer mit Werkzeug bringen zusammen schnell 200 kg auf. Bleiben etwa 180 kg für Steine und Mörtel. Bei rund 3 kg je Klinker sind das, ganz ohne Mörtel gerechnet, rund 60 Steine. Je nach Format reicht das für gut einen Quadratmeter Wand.

Daraus folgt: Klinker werden in kleinen Mengen nachgelegt und über die Felder verteilt, nicht palettenweise auf einem Feld gestapelt. Wer mehr Material oben lagern muss, plant eine höhere Lastklasse und prüft, ob System, Feldlänge und Belag sie hergeben.

Zwei weitere Punkte machen die Vormauerschale anspruchsvoll:

  • Wandabstand: Zwischen alter Wand und Klinker liegen Luftschicht oder Dämmung. Die neue Oberfläche steht oft 20 bis 30 cm vor der alten. Das Gerüst muss so stehen, dass der Abstand zur fertigen Schale passt, und am Anfang mit Konsolen überbrückt werden.
  • Gerüsthalter: Die Halter laufen durch den Bereich, in dem die Schale wächst. Der Maurer spart an diesen Stellen Öffnungen aus, die nach dem Abbau geschlossen werden. Das muss vorher abgestimmt sein.

Maurer arbeiten am liebsten zwischen Hüft- und Schulterhöhe. Bei 2 m hohen Gerüstlagen hilft eine Zwischenlage auf Konsolen, damit niemand stundenlang über Kopf oder in gebückter Haltung mauert.

Anstrich: wenig Last, viel Schutzbedarf

Für den Maler ist die Last kaum ein Thema. Lastklasse 2 genügt für Eimer, Rollen und eine Person je Feld. Wichtiger ist der Schutz der Umgebung vor Spritznebel und Tropfen, gerade bei Spritzverfahren. Außerdem müssen die Stellen hinter den Gerüsthaltern nach dem Abbau nachgestrichen werden. Der Beitrag zu Malerarbeiten an der Fassade geht darauf genauer ein.

Fenster, Fensterbänke und Bleche

Werden im Zuge der Sanierung Fenster getauscht, sollte das vor Dämmung und Putz geschehen. Nur so lassen sich die Anschlüsse zwischen Fensterrahmen und Fassade sauber ausbilden. Für das Gerüst bedeutet das: Die Elemente müssen über das Gerüst oder von innen an ihren Platz kommen, und vor jeder Öffnung braucht der Monteur genug Stand. Große Elemente mit Dreifachverglasung wiegen schnell 80 kg und mehr. Zwei Personen mit einem solchen Element auf einem Feld sind für Lastklasse 3 kein Problem, sie brauchen aber Platz zum Drehen und Ansetzen. Der Beitrag zum Fenstertausch geht auf Arbeitshöhe und Laibung genauer ein.

Neue Fensterbänke ragen meist mehrere Zentimeter über die fertige Fassade hinaus. Prüfen Sie, ob sie mit dem Gerüst kollidieren, und lassen Sie die Bleche erst montieren, wenn die Putz- oder Dämmarbeiten an der jeweiligen Öffnung abgeschlossen sind. Ein montiertes Blech, auf das sich jemand beim Arbeiten abstützt, ist schnell verbeult.

Die oberste Lage: Traufe und Dachüberstand

Am oberen Ende der Fassade trifft das Gerüst auf den Dachüberstand. Er kann je nach Haus 30 cm oder über einen Meter betragen. Ein Gerüst, das in voller Höhe an der Wand steht, stößt mit der obersten Lage an Sparren oder Gesims. Häufig endet die oberste Lage deshalb unter dem Überstand, und die letzte Putz- oder Anstrichfläche wird von dort aus erreicht. Soll auch am Dach gearbeitet werden, muss das Gerüst außen am Überstand vorbeigeführt werden. Dann wird der Abstand zur Wand in den oberen Lagen größer, und Innenkonsolen schließen die Lücke. Diese Frage sollten Sie mit dem Dachdecker klären, bevor die erste Lage steht, denn ein nachträglicher Wechsel betrifft das ganze Gerüst.

Gewerke im Vergleich

Gewerkübliche LastklasseWandabstandsteigerdoek
Rückbau, ReinigungLK 2–3unverändertPlanen gegen Wasser und Staub
PutzLK 3wächst um die PutzstärkeNetze, bei Wind Planen
Dämmung (WDVS)LK 3wächst stark, Innenkonsolen nötigNetze oder Planen
Klinker, VormauerschaleLK 3, bei viel Material höherwächst starkmeist Netze
AnstrichLK 2unverändertNetze oder Planen gegen Spritznebel
Fenster und BlecheLK 2–3Fensterbänke ragen vorkeine besondere

Die Werte sind Erfahrungswerte für die Planung. Verbindlich sind die Angaben der Aufbau- und Verwendungsanleitung Ihres Systems und die Anforderungen der ausführenden Betriebe. Welche Klasse Ihr System bei welcher Feldlänge erreicht, steht dort ebenfalls.

Netze, Planen und die Folgen für die Verankerung

Ein Gerüstnetz hält Werkzeug und Putzbrocken zurück und lässt den Wind größtenteils durch. Eine Plane schützt deutlich besser vor Staub, Spritzern und Regen, fängt aber auch den Wind voll ab. Das hat direkte Folgen für die Gerüsthalter: Je dichter die Bekleidung, desto enger das Ankerraster. Bekleiden Sie das Gerüst nie nachträglich, ohne die Verankerung zu prüfen. Wer im Herbst eine Plane gegen Regen montiert, die beim Aufbau nicht vorgesehen war, verändert die Statik des ganzen Gerüsts.

Praktisch ist es, die Bekleidung schon beim Aufbau festzulegen: Netze für die gesamte Sanierung, Planen nur dort, wo es wirklich nötig ist, etwa zur Straße hin oder vor dem Nachbarhaus. Vor Sturmlagen werden Planen gegebenenfalls teilweise geöffnet.

Standzeit und Umbauten zwischen den Gewerken

Je mehr Gewerke, desto länger steht das Gerüst. Mehrere Monate sind bei einer umfassenden Sanierung keine Seltenheit. Während dieser Zeit muss das Gerüst mehrfach angepasst werden: Konsolen werden umgesetzt, Halter versetzt, Böden ausgetauscht. Diese Umbauten darf nur eine fachkundige Person vornehmen, die das Gerüst danach erneut prüft. Wer auf dem Gerüst arbeitet, darf es nicht eigenmächtig verändern, auch wenn ein Halter gerade im Weg ist.

Bewährt hat sich ein kurzes Übergabegespräch zwischen den Gewerken. Der Putzer teilt mit, wo er Halter versetzt haben möchte, der Maler meldet, ob Planen gebraucht werden. Hält jemand die Änderungen und Prüfungen in einer Liste fest, behalten alle den Überblick.

Lange Standzeiten sprechen außerdem für ein eigenes Gerüst. Verschiebt sich ein Gewerk um zwei Wochen, steht das Gerüst ohne zusätzliche Kosten weiter.

Checkliste: Abstimmung vor dem Aufbau

  • Liegt eine Liste aller Gewerke mit Reihenfolge und ungefährer Dauer vor?
  • Ist die Lastklasse nach dem schwersten Gewerk gewählt?
  • Ist der Wandabstand für den Endzustand berechnet, also mit Dämmung, Putz oder Vormauerschale?
  • Sind Innenkonsolen in ausreichender Zahl eingeplant?
  • Ist die Bekleidung festgelegt und im Ankerraster berücksichtigt?
  • Ist geklärt, wer Halter versetzt und wer die Bohrlöcher schließt?
  • Gibt es eine Schuttrutsche oder einen anderen Weg für Abbruchmaterial?
  • Ist der Zugang so gelegt, dass er für alle Gewerke passt?
  • Gibt es eine Person, die Änderungen am Gerüst koordiniert und prüft?

Empfehlung für Ihre Sanierung

Setzen Sie sich vor der Bestellung mit allen Beteiligten zusammen oder sammeln Sie deren Anforderungen schriftlich. Legen Sie dann das Gerüst auf das schwerste Gewerk und den breitesten Endzustand aus. Für die meisten Einfamilienhäuser ist ein Rahmengerüst mit 0,73 m Breite in Lastklasse 3, ergänzt um Innenkonsolen, eine solide Grundlage. Den Materialbedarf ermitteln Sie im Gerüstkalkulator, passende Zusammenstellungen finden Sie unter Fassadengerüst.

Veelgestelde vragen

Darf der Putzer das Gerüst selbst umbauen, wenn ein Halter stört?
Nein. Veränderungen am Gerüst gehören in die Hand einer fachkundigen Person, in der Regel des Gerüsterstellers. Danach wird das Gerüst erneut geprüft. Der Nutzer meldet den Bedarf und wartet, bis der Umbau freigegeben ist.
Kann ich bei einer Sanierung mit dem Gerüst einer früheren Baustelle arbeiten?
Ja, wenn Material und System vollständig, unbeschädigt und für die geplante Nutzung geeignet sind. Prüfen Sie vor allem Böden, Kupplungen und Halter auf Verschleiß. Fehlende Teile ergänzen Sie mit Teilen desselben Systems.
Wie dicht müssen Netze an der Fassade schließen?
Netze werden an der Außenseite des Gerüsts über die gesamte Höhe befestigt, ohne große Lücken an Stößen und Ecken. Die Befestigungspunkte und Abstände gibt der Netzhersteller vor. Lose flatternde Netze reißen schnell und schützen nicht.
Was passiert mit den Ankerlöchern nach der Sanierung?
Sie werden je nach Untergrund mit passenden Stopfen, Mörtel oder Dämmstoff verschlossen und an die Oberfläche angeglichen. Bei Dämmfassaden gibt es dafür eigene Verschlusselemente. Klären Sie vorher, welches Gewerk diese Arbeit übernimmt.
Reicht ein Gerüst mit 0,73 m Breite für eine Klinkerfassade?
Für viele Einfamilienhäuser reicht es, wenn das Material in kleinen Mengen nachgelegt wird und Konsolen den Wandabstand überbrücken. Arbeiten mehrere Maurer gleichzeitig oder soll viel Material oben stehen, ist ein breiteres Gerüst angenehmer. Die Lastklasse muss in jedem Fall passen.
Muss das Gerüst bei langer Standzeit zwischendurch geprüft werden?
Ja. Nach Umbauten, nach Sturm und nach längeren Unterbrechungen wird das Gerüst vor der weiteren Nutzung geprüft. Zusätzlich kontrolliert jeder Nutzer vor Arbeitsbeginn augenscheinlich, ob Böden, Geländer und Halter in Ordnung sind.

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