Gerüstverbreiterung planen: Innen- und Außenkonsolen, Breitenklassen, Wandabstand

Die Breite eines Fassadengerüsts wird beim Kauf festgelegt und lässt sich danach nicht mehr ändern. Ein Rahmen mit 0,73 m Systembreite bleibt 0,73 m breit. Trotzdem gibt es auf fast jeder Baustelle eine Stelle, an der genau diese Breite nicht passt: Zwischen Belag und Wand klafft wegen einer künftigen Dämmung eine Lücke, der Dachdecker braucht oben eine breitere Fanglage, oder auf einer Lage sollen Paletten abgestellt werden. Dafür gibt es Konsolen. Sie erweitern das Gerüst punktuell nach innen oder außen – aber nicht beliebig.

Auf einen Blick

  • Innenkonsolen schließen die Lücke zur Wand, Außen- oder Kragkonsolen schaffen zusätzliche Fläche vor dem Gerüst.
  • Zwischen Belag und Bauwerk dürfen in der Regel höchstens 30 cm liegen, sonst ist ein Seitenschutz auf der Innenseite nötig.
  • Die Breitenklasse nach DIN EN 12811-1 beschreibt die nutzbare Belagbreite: W06 ab 0,6 m, W09 ab 0,9 m und so weiter.
  • Konsolen bringen zusätzliche Lasten in Stiele und Anker. Wo und wie viele zulässig sind, regelt die Aufbau- und Verwendungsanleitung (AuV).
  • Wer dauerhaft mehr Breite braucht, fährt mit einem breiteren Grundsystem besser als mit Konsolen auf jeder Lage.

Wann ein Gerüst breiter werden muss

Konsolen kommen aus vier Gründen zum Einsatz, und jeder Grund führt zu einer anderen Lösung:

  • Wandabstand zu groß: Das Gerüst steht weiter von der Fassade weg als gewünscht, etwa wegen eines Sockels, einer Dämmung, die noch montiert wird, oder eines Balkons. Hier hilft die Innenkonsole.
  • Arbeitsfläche zu klein: Für Maurer- oder Natursteinarbeiten mit Material auf dem Belag ist eine 0,73 m breite Lage knapp. Eine Außenkonsole oder ein breiteres Gerüst schafft Platz.
  • Fanggerüst und Dachfang: In der obersten Lage vor der Traufe muss das Gerüst über die Dachkante hinausreichen, damit die Schutzwand den nötigen Abstand hat. Je nach Dachüberstand braucht es Innen- oder Kragkonsolen. Mehr zum Dachfang finden Sie auf unserer Seite zum Dachfanggerüst.
  • Schutzdach über Gehweg oder Eingang: Ein Schutzdach wird auf breiten Konsolen nach außen geführt, damit herabfallende Teile nicht auf Passanten treffen.

Clases de anchura según la norma DIN EN 12811-1

Die Norm teilt Arbeitsgerüste nach der nutzbaren Breite der Arbeitsfläche in Klassen ein. Gemeint ist die Breite des Belags zwischen den Seitenschutzebenen, nicht das Achsmaß der Rahmen.

BreitenklasseNutzbare BreiteTypischer Einsatz
W060,6 m bis unter 0,9 mMaler, Putzer, Klempner; Gerüste mit rund 0,73 m Systembreite
W090,9 m bis unter 1,2 mMaurer, Natursteinarbeiten; Gerüste mit rund 1,09 m Systembreite
W121,2 m bis unter 1,5 mschwere Fassadenarbeiten, Arbeitsplätze mit Maschinen
W15 und breiterab 1,5 m, in Schritten von 0,3 mSonderanwendungen, Industrie, Schutzgerüste

Ein Rahmengerüst mit 0,73 m Systembreite und zwei Böden von je rund 32 cm liegt in der Klasse W06. Kommt eine Kragkonsole mit zwei weiteren Belägen dazu, wächst die Arbeitsfläche dieser Lage auf etwa das Doppelte. Die Lastklasse des verbreiterten Bereichs ist damit aber nicht automatisch dieselbe wie im Hauptfeld. Wie Lastklassen grundsätzlich funktionieren, erklärt unser Beitrag Gerüstlastklassen einfach erklärt.

Der Wandabstand und die 30-cm-Grenze

Zwischen der Innenkante des Belags und der Fassade entsteht immer ein Spalt. Bis etwa 30 cm gilt dieser Spalt in der Regel als hinnehmbar, ohne dass auf der Innenseite ein eigener Seitenschutz montiert werden muss. Ist der Abstand größer, besteht die Gefahr, dass jemand zwischen Gerüst und Wand abstürzt. Dann gibt es zwei Wege:

  1. Den Spalt mit einer Innenkonsole und einem zusätzlichen Belag verkleinern.
  2. Auf der Innenseite einen Seitenschutz montieren – Geländerholm, Zwischenholm und Bordbrett wie außen.

Der Innenseitenschutz ist schnell montiert, versperrt aber genau die Seite, an der gearbeitet wird. Maler und Putzer bevorzugen deshalb die Konsole. Bei Dachdeckerarbeiten in der Fanglage und an Stellen, an denen die Wand ohnehin nicht bearbeitet wird, ist der Innenseitenschutz oft die praktischere Lösung.

Der Abstand ändert sich während der Bauzeit. Wird eine Fassade gedämmt, ist der Spalt zu Beginn groß und am Ende klein. Das Gerüst muss für beide Zustände passen. Im Beitrag zum WDVS-Gerüst finden Sie dazu weitere Hinweise.

Die Innenkonsole: näher an die Wand

Die Innenkonsole wird auf der Gebäudeseite am inneren Stiel befestigt, beim Rahmengerüst meist am Knotenblech oder mit einer Halbkupplung, beim Modulgerüst mit Keilkopf an der Rosette. Ihre Ausladung liegt je nach System bei rund 0,30 bis 0,39 m – genug für einen schmalen Belag. Damit rückt die Arbeitsfläche um eine Bohlenbreite an die Wand heran.

Weil die Innenkonsole kurz ist und zwischen Gerüst und Wand liegt, ist sie in vielen Systemen in allen Lagen ohne zusätzliche Abstützung einsetzbar. Trotzdem bringt sie eine zusätzliche Last auf den inneren Stiel und erzeugt ein Moment am Anschluss. Prüfen Sie in der AuV, welche Lastklasse der Konsolbelag hat – bei manchen Systemen liegt sie unter der des Hauptfelds – und ob an Stielen mit Innenkonsolen zusätzliche Anker vorgeschrieben sind.

Ein Detail, das oft übersehen wird: Der Gerüsthalter muss an der Innenkonsole vorbei. Bei größerem Wandabstand werden längere Halter nötig, und der Halter darf nicht auf der Konsole aufliegen. Mehr zu Bauformen und Montage finden Sie im Wiki bei der Innenkonsole.

Die Kragkonsole: Fläche nach außen

Die Kragkonsole, oft auch Außenkonsole genannt, ragt auf der Außenseite des Gerüsts frei über die Stiele hinaus. Meist ragt sie so weit aus, wie das Gerüst breit ist – bei 0,73 m Systembreite also so viel, dass zwei Böden nebeneinander darauf passen. Für Schutzdächer gibt es größere Ausladungen um 1,0 bis 1,1 m.

Weil die Kragkonsole hebelt, ist sie der anspruchsvollste Konsolentyp:

  • Abstützung: Die meisten Ausführungen brauchen eine Konsolstrebe oder Diagonale zur darunterliegenden Lage, damit sie unter Last nicht nach unten kippt.
  • Seitenschutz außen: Der Seitenschutz wandert auf die Außenkante der Konsole. Dafür sitzt dort ein Rohrstutzen für einen Geländerpfosten.
  • Durchlaufender Belag: Die Konsolbeläge müssen gegen Abheben gesichert sein und dürfen nicht mit Lücke an den Hauptbelag stoßen.
  • Anker und Stiele: Die Kragkonsole zieht den Außenstiel nach unten und das Gerüst von der Wand weg. Deshalb verlangt die AuV an solchen Stielen oft engere Verankerung.

Gebrauchte Kragkonsolen sind ein Bauteil, bei dem sich ein genauer Blick lohnt: Verbogene Anschlusshaken oder Risse an der Schweißnaht sieht man nicht auf den ersten Blick. Worauf Sie achten sollten, steht im Beitrag Kragkonsolen prüfen.

Konsolen am Rahmengerüst und am Modulgerüst

Am Rahmengerüst sind die Anschlusspunkte für Konsolen durch die Rahmen vorgegeben. Konsolen werden in Höhe der Belagauflage am Knotenblech eingehängt oder mit angeschweißter Halbkupplung am Stiel befestigt. Das macht die Montage schnell und eindeutig: Die Konsole sitzt automatisch auf Belaghöhe, und der Konsolbelag schließt bündig an den Hauptbelag an. Der Nachteil ist, dass Konsolen nur in diesen Höhen sitzen können. Wer zwischen zwei Lagen eine Zwischenebene braucht, kommt mit Rahmen schnell an Grenzen.

Am Modulgerüst mit Rosette oder Lochscheibe sitzt jede Konsole mit einem Keilkopf am Knoten. Weil die Knoten am Vertikalstiel in regelmäßigen Abständen von meist 0,5 m wiederkehren, lässt sich eine Konsole auch zwischen den Hauptlagen anschließen – praktisch für eine versetzte Fanglage unter einem tiefen Dachüberstand oder für eine Arbeitsebene auf Höhe eines Gesimses. Gleichzeitig gibt es hier mehr Varianten: Konsolen mit unterschiedlichen Ausladungen, mit und ohne Strebe, für U-Belag oder Rohrauflage. Achten Sie darauf, dass Konsole und Belag zur selben Auflageart passen.

In beiden Systemen gilt dieselbe Montageregel: Konsolen werden aus einer vollständig gesicherten Lage heraus eingebaut. Zuerst kommt die Konsole, dann gegebenenfalls die Strebe, dann der Belag mit Sicherung und zum Schluss der Seitenschutz an der neuen Außenkante. Erst danach wird die Konsolfläche betreten.

Verbreiterung planen: Schritt für Schritt mit Beispiel

Ein Mehrfamilienhaus mit 18 m langer Traufseite und 9 m Traufhöhe bekommt ein Wärmedämmverbundsystem mit 14 cm Dämmplatten und rund 1 cm Putz. Die fertige Fassade wächst also um 15 cm nach außen. Der Dachüberstand an der Traufe beträgt 40 cm. So gehen Sie vor:

  1. Endzustand festlegen: Nach dem Verputzen soll der Abstand zwischen Belag und fertiger Oberfläche höchstens 30 cm betragen, besser rund 20 cm, damit der Putzer bequem arbeiten kann.
  2. Gerüststandort ableiten: 15 cm Dämmung und Putz plus 20 cm Arbeitsabstand ergeben rund 35 cm vom Rohbau bis zur Innenkante des Hauptbelags.
  3. Anfangszustand prüfen: Beim Kleben der Dämmplatten sind es 35 cm bis zur Rohwand – mehr als 30 cm. Für diese Phase wird eine Innenkonsole mit einem Belag eingebaut, der nach dem Dämmen wieder herausgenommen wird, oder es wird ein Innenseitenschutz montiert.
  4. Dachfang prüfen: In der obersten Lage muss die Schutzwand den in der AuV und im Regelwerk geforderten Abstand zur Traufkante einhalten. Mit 40 cm Dachüberstand plus der neuen Fassadendicke kann es nötig werden, die oberste Lage mit einer Kragkonsole nach außen zu verlängern.
  5. Lasten und Anker prüfen: Stiele mit Konsolen und Dachfang laut AuV verankern, Halter in ausreichender Länge für Dämmstärke und Konsole bestellen.
  6. Materialliste ergänzen: Anzahl Innenkonsolen = Anzahl Rahmenzüge × Anzahl Lagen, in denen sie gebraucht werden. Dazu Konsolbeläge in Feldlänge, Belagsicherungen und gegebenenfalls Kragkonsolen mit Streben und Geländerpfosten für die Fanglage.

Im Beispiel ergeben 18 m Traufseite bei 2,57 m Feldlänge sieben Felder und damit acht Rahmenzüge. Bei 9 m Traufhöhe hat das Gerüst vier Arbeitslagen auf rund 2, 4, 6 und 8 m. Das macht 8 × 4 = 32 Innenkonsolen für die Traufseite. Werden die Konsolen nur während der Dämmphase gebraucht, können sie anschließend an den Giebelseiten weiterverwendet werden, wenn der Bauablauf das zulässt.

Konsole oder breiteres Grundgerüst?

Konsolen sind ein Werkzeug für bestimmte Stellen und Phasen. Wer sie auf jeder Lage und an jedem Rahmenzug einsetzt, baut faktisch ein breites Gerüst aus vielen Einzelteilen – mit mehr Montageaufwand und mehr Fehlerquellen.

SituationKonsolen sinnvollBreiteres Grundsystem sinnvoll
Dämmung wird montiert, Wandabstand ändert sichja, Innenkonsolen während der Dämmphaseno
Dachfang in der obersten Lageja, Konsolen nur obenno
Maurerarbeiten über alle Lagennein, zu viele Teileja, 1,09 m Systembreite
Einzelne Materialablage an einer Stelleja, wenn die Lastklasse reichtno
Enge GrundstücksgrenzeInnenkonsolen statt breiterer Rahmeneher schmales System, siehe schmales Gerüst

Typische Fehler bei Konsolen

  • Kragkonsole ohne Strebe: Die Konsole hält im unbelasteten Zustand, unter Material oder Personen verformt sie sich.
  • Belag auf Innenkonsole nicht gesichert: Ein Windstoß von unten hebt den einzelnen Konsolbelag aus.
  • Seitenschutz an der falschen Kante: Bei einer Kragkonsole bleibt das Geländer am Hauptfeld, die Konsolfläche liegt ungesichert davor.
  • Lastklasse überschätzt: Auf der Konsole werden Steinpaletten gelagert, obwohl der Konsolbelag nur für leichte Arbeiten freigegeben ist.
  • Innenkonsole nach der Dämmung vergessen: Sie blockiert den Putzauftrag oder wird zum Hindernis für den Halter.
  • Anker nicht angepasst: Konsolen eingebaut, Ankerraster unverändert.
  • Systemfremde Konsolen: Konsolen eines anderen Systems werden „passend gemacht“. Verbindliche Lastwerte gibt es dann nicht.

Unsere Empfehlung

Legen Sie zuerst die Breite fest, die Sie auf den meisten Lagen brauchen, und wählen Sie danach das Grundsystem. Konsolen planen Sie für die Stellen, an denen es eng oder zu weit wird: die Dämmphase, die Fanglage, ein Schutzdach. Rechnen Sie den Wandabstand für Anfangs- und Endzustand der Fassade durch und tragen Sie jede Konsole mit Lage und Rahmenzug in die Materialliste ein. Achten Sie darauf, dass Konsolen, Beläge und Streben aus demselben System stammen wie die Rahmen und in der AuV für Ihre Anwendung freigegeben sind.

Preguntas frecuentes

Kann ich zwei Innenkonsolen hintereinander setzen, um noch näher an die Wand zu kommen?
Das ist nur zulässig, wenn die Aufbau- und Verwendungsanleitung Ihres Systems eine solche Lösung vorsieht. Meist gibt es dafür eigene breitere Konsolen oder Lösungen mit zusätzlichem Innenstiel. Improvisierte Doppelkonsolen sind statisch nicht nachgewiesen.
Gibt es Konsolen auch aus Aluminium?
Ja, manche Systeme bieten Innenkonsolen aus Aluminium an, die leichter zu handhaben sind. Kragkonsolen sind überwiegend aus verzinktem Stahl, weil sie größere Biegemomente aufnehmen müssen. Mischen Sie Konsolen nur innerhalb dessen, was die Anleitung freigibt.
Brauche ich in jeder Lage Innenkonsolen?
Nur dort, wo der Abstand zur Wand zu groß ist oder wo dicht an der Wand gearbeitet werden muss. Häufig betrifft das alle Arbeitslagen während einer Dämmphase, später nur noch einzelne Lagen. Wo nicht gearbeitet wird und der Spalt über 30 cm liegt, ist ein Innenseitenschutz eine Alternative.
Darf ich auf einer Kragkonsole Material abstellen?
Nur im Rahmen der Lastklasse, die die Aufbau- und Verwendungsanleitung für den Konsolbelag angibt. Viele Konsolen sind für Arbeiten mit geringer Materiallagerung ausgelegt, nicht für Steinpaletten. Wer regelmäßig Material auf dem Gerüst lagert, plant besser ein breiteres Grundsystem mit höherer Lastklasse.
Warum wackelt mein Konsolbelag, obwohl die Konsole fest sitzt?
Häufig fehlt die Belagsicherung oder der Belag passt nicht zur Auflage der Konsole, etwa ein Boden für Rohrauflage auf einem U-Profil. Auch eine leicht verdrehte Konsole führt dazu, dass der Belag nur an drei Ecken aufliegt. Richten Sie die Konsolen eines Feldes auf gleiche Höhe aus und verwenden Sie nur systemgleiche Beläge.
Wie bekomme ich die Konsolbeläge über die Fensterbank hinweg?
Fensterbänke ragen oft einige Zentimeter vor die Fassade. Die Konsole wird so hoch gesetzt, dass ihr Belag knapp oberhalb oder unterhalb der Fensterbank liegt, oder der Konsolbelag wird in diesem Feld weggelassen und durch einen Innenseitenschutz ersetzt. Schneiden oder Anpassen der Beläge ist nicht zulässig.

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